Schola Cantorum Basiliensis

Groß Geigen, Vyolen, Rybeben - Nordalpine Streichinstrumente um 1500 und ihre Praxis

Daten:

Projektmitarbeiter:

  • Prof. Dr. Thomas Drescher (Leitung)
  • Thilo Hirsch
  • PD Dr. Martin Kirnbauer
  • Kathrin Menzel M.A.
  • Dr. des. Martina Papiro

Beteiligte Partner:

  • Museum für Musik Basel (Historisches Museum basel)

Finanzierung:

Finanziert aus Mitteln des SNF (Schweizer Nationalfonds)

Projektdauer:

Oktober 2013 - September 2015

Schlagworte:

Kulturforschung, Repertoire, (Streich)Intrumentenbau, Fidel, Violine, Viola da gamba, "1500", Kulturtransfer nordalpine Regionen, Ikonographie, Organologie

Beschreibung:

Die neue italienische Hofkultur der Renaissance um 1500 bediente sich der Streichinstrumente als wichtiges Element ihrer kulturellen Entfaltung. In diesem Zusammenhang entstanden auch die neuen "Viole da gamba", die zeitgleich in deutschsprachigen Quellen des frühen 16. Jahrhunderts als "Gross Geigen"/"Vyolen"/"Rybeben" o.ä. nachzuweisen sind (z.B. Virdung, Basel 1511), jedoch mit deutlich unterschiedlichen Korpusformen und Konstruktionsmerkmalen. Die gängigen Erklärungsmodelle eines italienischen Einflusses auf den Norden führten dadurch zu erheblichen Unstimmigkeiten.

Das vorgestellte Forschungsprojekt setzt an diesem Problem an und hat eine erneute und vertiefte Untersuchung des Phänomens der nordalpinen Streichinstrumente zum Ziel, wobei im Unterschied zu den bisherigen Forschungen ein Wechsel der Perspektiven mit Blickrichtung von Norden nach Süden erfolgt. Die Arbeiten hierzu gliedern sich in drei Schritte. Erstens die Beschreibung des lokalen Phänomens der 'Groß Geigen' aufgrund der erhaltenen textlichen, musikalischen und ikongraphischen und organologischen Quellen, zweitens die Ausweitung auf den europäischen Kontext, besonders nach Italien und Spanien, und schliesslich drittens die Erarbeitung eines Konzepts zur Rekonstruktion von 'Groß Geigen' und ihrer Bögen, zusammen mit der Erforschung des Repertoires und der Spielweise.

Diese drei Themenfelder werden aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven bearbeitet - musikwissenschaftlich, kunsthistorisch und organologisch - und die Ergebnisse zu einem neuen Gesamtbild zusammengeführt. Auf dieser Basis kann der Schritt in die Klanglichkeit der historisch informierten Musikpraxis erfolgen.



(abgeschlossen)


Transformationen instrumentaler Klanglichkeit:
Die Entwicklung der Streichinstrumente im Übergang vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit am Beispiel der frühen Viola da gamba



Daten:

Projektmitarbeiter:

  • Prof. Dr. Thomas Drescher (Leitung)
  • Thilo Hirsch (Co-Projektleitung)
  • PD Dr. Martin Kirnbauer
  • Kathrin Menzel M.A.
  • Dr. des. Martina Papiro

Beteiligte Partner:

Beteiligte Instrumentenbauer:

Beratende Stellen:

Finanzierung:

Finanziert aus Mitteln des BBT (Bundesamt für Berufsbildung und Technologie)
mit einem Beitrag der FAG (Freiwillige Akademischen Gesellschaft Basel)

Projektdauer:

September 2011 - Juni 2013

Schlagworte:

Kulturforschung, Klangforschung, Repertoire, (Streich)Intrumentenbau, Fidel, Viola da gamba, Italien, Frühe Renaissance, Akustik, Kulturtransfer Italien-Frankreich-nordalpine Regionen


Beschreibung:

Das Projekt widmet sich einer zentralen Phase der Transformation in der europäischen Kulturgeschichte von ca. 1470 bis 1550 und bedient sich der neuen Streichinstrumente um 1500, besonders der Viole da gamba, zur Beschreibung eines generellen Wandels der Klangvorstellungen zu jener Zeit. Das zentrale, wenngleich späte Dokument hierzu ist Silvestro Ganassis „Regola Rubertina“ (Venedig 1542/43).

Trotz ihrer wichtigen Bedeutung für die musikalische Hofkultur stagniert die Forschung zu den frühen Viole da gamba seit Ian Woodfields pionierhafter Studie von 1984. In einem transdisziplinären Ansatz nimmt das Projekt die Forschunglücken auf, und behandelt das Thema in vier aufeinander bezogenen Arbeitsbereichen: musikhistorisch, ikonographisch, instrumentenkundlich sowie in der Musikpraxis.

Musikhistorisch geht es um die Beschreibung einer Instrumentalmusik avant la lettre und um die Rolle, die die alten und neuen Streichinstrumente der Zeit um 1500 dabei spielen. Hierbei ist eine Differenzierung des Geschichtsbildes angestrebt, um die unterschiedlichen klanglichen und instrumentenbaulichen Konzepte besser verstehen zu können, die um 1500 in einer komplexen Mischung nebeneinander existierten und unterschiedliche Wirkung entfalteten.

Instrumentenkundlich werden IanWoodfields Thesen zum Entstehen der Viola da gamba in Italien einer kritischen Prüfung unterzogen. Paradigmatisch werden frühe Instrumente, die mit Erbauern aus der Familie Linarol verknüpft sind, genauer untersucht, ebenso frühe Streichinstrumente, deren Zargenkranz in archaischer Weise aus einem Stück gefertigt ist (Instrumente in Wien, Nürnberg, Leipzig, Vermillion). Mit Hilfe dieser Daten sollen Hypothesen zu Bautechniken um 1500 entwickelt werden. In computergestützten Simulationen am Institut für Wiener Klangstil werden die materialtechnischen und akustischen Aspekte ersten Tests unterzogen, bevor drei unterschiedliche Instrumentenbauer reale Rekonstruktionen anfertigen.

Angesichts fehlender Musikinstrumente aus der Zeit um 1500 kommt der Ikonographie eine wesentliche Bedeutung zu. Eine spezialisierte Kunsthistorikerin (Martina Papiro) wird die überlieferten bildlichen Zeugnisse einer kritischen Prüfung unterziehen und deren Aussagefähigkeit für instrumentenbauliche und musikalische Zwecke auf die Probe stellen. Darüber hinaus sind aus dieser Arbeit auch kulturgeschichtliche Impulse im Hinblick auf das Thema zu erwarten.

Im Instrumentenbau (Rekonstruktion von Instrumenten) und in der musikalischen Praxis (Erschliessung des Repertoires im Solo- und Ensemblespiel) werden die Thesen zur Bauweise klanglich fruchtbar gemacht.  Mit Dozierenden und Studierenden der Schola Cantorum Basiliensis und mit dem ensemble arcimboldo wird der Schritt in die musikalische Praxis vollzogen.

Insgesamt geht es um eine Differenzierung des Geschichtsbildes, um die unterschiedlichen klanglichen und instrumentenbaulichen Konzepte besser zu verstehen, die in der Zeit um 1500 in einer komplexen Mischung nebeneinander existierten und unterschiedliche Wirkung entfalteten. Das Projekt steuert der aktuellen Klangforschung eine historische Dimension bei und versteht sich in einem umfassenderen Sinn als Beitrag zur musikalischen Grundlagenforschung.

Als Dokumentationsplattform wird die Datenbank RIMAB benutzt (www.rimab.ch).